ODB wusste, was er will: „Uh baby I like it raw“ – Roh, echt, langsam. Das hat was. Slow Media. Slow Food. Slow Business. Slow Everything. You get the point. Klingt nach Gegenbewegung. Ist es auch.
Slow ist nicht nur eine Geschwindigkeit, es ist eine Haltung. Eine, die wir in Sachen online Medien gerade sowas von brauchen können.
It’s gettin’ slow in herre
Weil wir nicht für 7-Sekunden-Clips gebaut sind
Ich oute mich: Ich bin Team Langtext. Team stundenlanges Brunchen. Team Podcast mit 90 Minuten Laufzeit und ohne Shownotes zum Direktskippen.
Währenddessen wird TikTok von „Shortform Content“ dominiert, YouTube Shorts rücken nach, Instagram bastelt eh jede Woche neue Features, damit wir noch schneller konsumieren. Die Aufmerksamkeitsspanne der Durchschnittsnutzenden? Regenwurm auf Red Bull.

Und ja – auch ich hab’s getan: Second Screen beim Serien schauen. Insta neben dem Abendfilm. Gach was bestellen, während ich warte, dass ein Softwareupdate installiert wird. Doomscrolling vor dem Einschlafen. (Fühlst du dich ertappt?)
Ring my Bell
Push- und Pull-Medien im Realitätscheck
Warum ist das so? Weil wir seit Jahren mit Push-Medien zugedröhnt werden. Push heißt: Du bekommst Inhalte, von denen jemand anderes entscheidet, dass du sie willst. „Push-Nachrichten“ sagt dir sicher was. Notifications, Algorithmen, Pop-ups, Ads. 🔔
If you are not paying for it, you’re not the customer; you’re the product being sold.
Pull-Medien hingegen – Blogs, Newsletter, Podcasts, Bücher – funktionieren anders: Du wirst aktiv. Nutzt eine Suche (Explore gilt nicht), wenn du wirklich etwas wissen oder erfahren willst. Und jetzt rate mal, welches Medienformat nachhaltiger hängen bleibt.
In der aktuellen Folge von Karin Graf Kaplaners „Slow Business“-Podcast erklärt sie genau das. Und sie macht das wie immer: ruhig, klar, reflektiert. Keine Werbeunterbrechung. Kein „Like, subscribe, hit the bell“-Gedöns. Slowing it sowas von down.
Hier anhören: Slow Business Podcast Folge „Push vs Pull: Mit Slow Media raus aus der Info-Flut“
Owa brenna dads guad
Warum ich’s dir nicht für dein Social Media mache
Seit Februar 2025 bin ich raus. Social Media Detox. Erst war’s komisch. Und. Dann. So. So. SO. Gut!
Eh kloa hab ich in der ersten Woche mein Mailpostfach dreimal so oft gecheckt. Eventuell hab ich die Wetter-App aktualisiert, als würde sich das Klima im Minutentakt ändern. Aber nach ein paar Wochen kam das, was ich mir erhofft hatte: Ich hab meine eigenen Ideen wieder gehört. Eigene Ideen. Nicht diese „ich hab da ein Reel gesehen“-Copycat-Kreativität, sondern die echte, intrinsische. Mehr Zeit für Projektarbeit hab ich nicht unbedingt gewonnen. (die Umsetzung der antiwerbeagentur-Landingpage leuchtet schon dunkelrot in meinem Todoist), dafür aber viel mehr Raum für Muße. Für Menschen. Für Wahrnehmung der Welt um mich.
Kopf an, Rauschen aus.
Auch beruflich: Ich hab Social Media-Dienstleistungen gestrichen. Nicht, weil ich die Kanäle grundsätzlich verteufle – es gibt Inhalte, die dort wertvoll sein können. Aber: Ich will kein System bedienen, das auf permanenter Ablenkung basiert. Und genau das ist der Kern von Social Media. Darin geht’s selten um den Austausch. Den Betreibenden liegt am allermeisten an unserer Aufmerksamkeit. Möglichst viel. Möglichst endlos.
Was mich zunehmend stört: die Strategien dahinter. Künstliche Verknappung, „limited spots“-Taktiken, FOMO-Marketing. Ständig sollst du denken: „Wenn ich das jetzt nicht mache, verpasse ich etwas.“ Dazu: der Druck, noch mehr Content zu produzieren, noch öfter zu posten – völlig powidl, ob’s überhaupt Substanz hat. (Wenn dich das Thema interessiert: Lies mal „Don’t Be Evil“ von Alex Polunin – Hier geht’s zum Buch. Hauptsache, die Leute scrollen weiter. Hauptsache, die Plattform bleibt offen. Hauptsache, Umsatz für Big Tech.
TBH: Ich will dein Geld nicht, damit wir kurzfristigen Mist produzieren, der in den Taschen von US-Oligarchen landet. Die Konzerne, die einst das Internet besser machen wollten, missbrauchen heute unser Vertrauen. Modeln uns langsam aber sicher um zu diesen RedBull-Regenwürmern. (Du weißt nicht, was ich damit meine? Lies nochmal weiter oben.)
Mir geht’s um Inhalte, die wirken. Um Kommunikation, die Menschen verbindet. Um Formate, die auch morgen noch Sinn machen. Klicks um jeden Preis? Wachstum als Selbstzweck? Thanks, but no thanks. Lieber langfristig aufbauen – statt kurzfristig verheizen.

It’s all about the „he said, she said“ Bull💩
Schule, Kinder, Zukunft
Das ist keine Markenstrategie. Das ist eine Haltung. Auch in meiner Rolle als Elternteil hab ich mich bewusst für eine Schule entschieden, die klar gegen Smartphones auftritt. Ich will Kinder so begleiten, dass sie noch im Moment sein können, im Erleben sind. Dass sie ihre eigene Kreativität spüren und aus sich heraus lernen. Dass sie die Verbindung zu sich selbst nicht erst durch ein auf 10 Plätze limitiertes Selfcare-Retreat wiederfinden müssen. Sondern sie gar nicht erst verlieren.
Und auch die Hirnforschung ist sich einig darüber, dass es für eine gesunde Hirnentwicklung möglichst viele Erlebnisse in der physischen Welt braucht. Von Altmünster aus agiert hier der Verein Smartphone Freie Kindheit in Richtung Auflärung, den ich dir herzlich gerne empfehle.
Dass es auch anders sein kann, beweist die traditionelle Radltour, die alle 3 Jahre an unserer Schule stattfindet: Eine Handvoll Erwachsene fahren mit den Teenies auf den Fahrrädern ans Meer. Zwei Wochen – ohne Handys. Keine einzige Story. Keine Likes. Und sie waren trotzdem da.
Eat that, Algorithmus.
How to tell Stuff online (slow)
Bin ich deshalb weltfremd?
No worries, ich bin Realistin. Ich weiß, dass die Gen Z vorwiegend auf Social Media konsumiert. SM-Apps haben den Suchmaschinen bei den jungen User*innen längst den Rang abgelaufen. Reels, TikToks und virale Trends sind Teil ihrer Lebenswelt. Aber das heißt nicht, dass wir sie nur dort erreichen können.

Gerade die digital sozialisierte Generation sehnt nämlich sich zunehmend nach echten Erlebnissen, nach Tiefe, nach Beteiligung an etwas, das wirklich Bedeutung hat. (Und scheinbar auch nach Klapphandys)
Unternehmen, die das verstehen, können raus aus dem leidigen „Poste mehr, sei relatable“-Hamsterrad. Du musst nicht jeden Tag neuen Content aus der Bauchtasche zaubern. Du kannst stattdessen Räume schaffen – für Co-Kreation, für Events, für Communitys, für RL-Stories, die nicht sofort wieder weggewischt werden.
Die Ideen kommen von allein, wenn du die Frage änderst: Nicht „Wie krieg ich sie zum Swipen?“, sondern „Was kann ich ihnen wirklich geben?“ Als Millennials sind wir die Generation dazwischen. Noch einigermaßen analog aufgewachsen, aber digital sozialisiert. Lass uns vermitteln. Vorleben, dass es auch mal gut tun kann, nicht nur an der Oberfläche zu wischen, sondern tiefer reinzugehen.
Mehr Substanz statt Dopaminrausch
Slow down, everyone, you’re moving to fast
Jetzt haben aufamoi alle ADHS!!!1!11
Was ich über mein eigenes Aufmerksamkeitsdefizit weiß: Ich kann das eigentlich, mit dem tiefer reingehen. Ich kann mich fokussieren. Auf gute Dinge. Auf geile Projekte. Seit ich mit Social Media aufgehört hab, sogar wieder auf meine Buchhaltung. Aber nicht auf den algorithmischen „Top-Notch“-Ballast, den mir mein Handy sekündlich servieren will.
Mein Hirn ist keine Litfaßsäule.
Ich bin jetzt ca. bei meiner Lebenshalbzeit angekommen. Und ab hier investiere ich lieber in ein langes, gutes Gespräch, eine kluge Podcastfolge oder eine halbtägige Wanderung ohne Contentproduktion, als mir noch mehr dumpfe Memes in mein Ultrakurzzeitgedächtnis zu ballern.

Shawty got Slow, slow, slow, slow…
Was jetzt?
Wir haben die Wahl. Wirklich. Diese Entwicklung ist uns nicht oafoch passiert, wir sind Teil davon – und können auch Teil der Umkehr sein.
Was es braucht?
- Initiativen, die bewusst Slow Media leben.
- Projekte, die wieder Dialoge statt Monologe ermöglichen.
- Unternehmen, die GUTes Marketing machen, nicht künstliche Verknappung.
- Menschen, die nicht sofort „Content“ brüllen, sondern sich erst mal fragen: „Braucht es das?“
Die gute Nachricht:
Ich kenne schon viele davon. Ich arbeite mit ihnen. Vielleicht bist du die*der nächste?
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Wenn du meinst, dass dein Business, deine Organisation oder dein Projekt auch mehr in diese Richtung gehen kann:
Lass uns reden. Kein Pitch, kein Push, kein Sales-Funnel. Oafoch amoi schauen, was für dich gut passt.
Falls du das hier gerade in einem Durch gelesen hast – ohne Podcast nebenbei, ohne schnell dein Insta zu checken oder der Schwiegermutti auf WApp zurückzuschreiben – dann bitte ich dich um eine kurze Verbeugung. Wir sind selten geworden.
→ Mehr zum Thema Business ohne Burnout findest du im Slow Business Podcast von Karin Graf Kaplaner
→ Wie es mir beim Canceln von Social Media geht, liest du in meinem Blogartikel „Sani, du fehlst auf Instagram“
→ Und wenn du willst, komm in meinen Newsletter. Der erscheint extrem unregelmäßig. Aber immer bewusst.
Bis boid – oder später.
Deine Sani

